Eigenstromerzeugung mit Photovoltaik – darauf sollten Sie achten

Früher war alles einfacher: Photovoltaikleistung wurde mit den Sonnenstunden am Standort und der Einspeisevergütung pro Kilowattstunde multipliziert, fertig war der Jahresertrag.

Heute ist die Photovoltaik Bestandteil individueller, standortgebundener Energiekonzepte.  Die Einspeisevergütung, einst der Haupteinnahmefaktor, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Photovoltaikanlagen sind wirtschaftlich, wenn Sonnenstrom im Unternehmen selbst verbraucht wird und dafür kein Netzstrom bezogen werden muss. Damit sind wir heute da angelangt, wo die Gründer des EEG die Photovoltaik sehen wollten: als kostengünstigen, nachhaltigen Energieerzeuger.

Paradigmenwechsel

Mit dem Wandel von der Einspeiseanlage zur Eigenverbrauchsanlage ändern sich auch die Rahmenbedingungen bei Kauf und Installation einer Photovoltaikanlage. War bei der Einspeiseanlage die Wirtschaftlichkeit auf den Zeitraum der durch das EEG gesicherten Einspeisevergütung von 20 Jahren gerechnet, ist der Zeitraum bei einer Eigenverbrauchsanlage offen. Je länger die Anlage sauberen Strom liefert, der selbst verbraucht wird, desto wirtschaftlicher wird sie. Dadurch ändert sich auch der Blick auf die Investition. Exakte Planung auf die Erfordernisse am Standort, Qualität und Langlebigkeit der Komponenten, professionelle Installation und Service der Anlage sind gute Voraussetzungen für einen dauerhaft wirtschaftlichen und störungsfreien Betrieb einer Eigenstromanlage.

Sie bauen Ihr eigenes Kraftwerk

Für maximale Autarkie und optimierten Eigenverbrauch bei minimaler Einspeisung in das öffentliche Netz sind Erfahrung, technische Kompetenz und Wissen bei der Anlagenplanung gefragt. Dementsprechend sorgfältig sollten Sie Planer und Installationsunternehmen auswählen und Angebote prüfen. Ein gutes Angebot liefert laienverständliche Informationen zu Installation, technischen Komponenten, Wirtschaftlichkeit und Optik einer Photovoltaikanlage.

Die acht wesentlichen Punkte beim Neubau einer Photovoltaikanlage

1. Das Wie und das Wo

Photovoltaik bietet heute eine Unmenge an Möglichkeiten zur Installation. Schwarze Module, blaue Module, transparente Module, Indach- oder Aufdachanlage, auf dem Flachdach, Schrägdach, an der Fassade oder auf landwirtschaftlichen Nutzflächen als Agrophotovoltaik. Selbst Anlagen in teilverschatteten Standorten sind mit Moduloptimierern möglich. Jede Installationsform, Modulbauweise oder Komponente beeinflusst Solarstromerzeugung, Pflegeaufwand und das Erscheinungsbild der Anlage. Gute Planer liefern die optische Wirkung der Photovoltaik anhand von Echtfotos, auf denen Anlagen perspektivisch korrekt und  modulgenau simuliert werden.

2. Komponenten beeinflussen Leistung

Jedes Planungs- und Installationsunternehmen nutzt individuelle Zulieferer und Vorlieben für Hersteller von Komponenten. Das beginnt bei der Art der Unterkonstruktion, Dachhaken, Schienen, Klemmen, Wechselrichtern, Modulen und endet bei Kabeln, Kommunikation, Blitzschutz und Erdung des Generatorsystems. Jede Komponente hat Einfluss auf Leistung, Stabilität und Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems. Vergleichen Sie Angebote und achten Sie darauf, dass alle Komponenten mit ihren Eigenschaften aufgelistet sind. Nur so können Angebote verglichen werden.

3. Arbeitsschutz

Wer Photovoltaik installiert ist auch als Bauherr in der Pflicht, dass die Arbeiten im Einklang mit den Bestimmungen der Berufsgenossenschaft ausgeführt werden. Alle Beteiligten haften, wenn ein Unfall passiert oder zahlen Strafe, wenn Verstöße angezeigt werden. Arbeitsschutz ist fester Bestandteil der Installation einer Photovoltaikanlage und hat auch einen festen Platz im Angebot.  Stichworte hierzu sind Absturzsicherung, Gerüst und Durchfallschutz. Weitere Themen sind Teleskoplader, Arbeitsbühne sowie der Schrägaufzug für den Materialtransport.

4. Stromspeicher

Landwirtschaftliche Stromspeicher sind Gewerbespeicher. Je nach Standort müssen sie Temperaturschwankungen verkraften, in kurzer Zeit viel Leistung auf drei Phasen zur Verfügung stellen und ihre Kapazitäten schnell wieder füllen. Je schneller Gewerbespeicher laden und entladen, desto größer ist ihr Beitrag zum Eigenverbrauch und desto wirtschaftlicher sind sie.

Außerdem wichtig beim Thema Stromspeicher:

  • Offene Schnittstellen für Kommunikation mit unterschiedlichen Erzeugern, Verbrauchern und anderen Stromspeichern.
  • Langfristige Erweiterung von Kapazität und Leistung um sie an ändernde Bedürfnisse anzupassen, auch nach Jahren.
  • Ausreichend Verbrauch außerhalb der Zeiten, in denen Photovoltaik Strom liefert.
  • Kapazität und Leistung müssen zum Verbrauchsprofil am Einsatzort passen. Eine Lastgangmessung oder die Beobachtung des täglichen Stromverbrauchs verschaffen Klarheit.
  • Ist Notstromversorgung ein Thema dann ist ein Stromspeicher eine komfortable Lösung. Bei Stromausfall trennt der Speicher das Betriebsnetz automatisch vom öffentlichen Netz und versorgt den Betrieb mit Strom. Liefert das öffentliche Netz wieder Strom verbindet der Speicher automatisch wieder.
  • Vorsicht: Nicht jeder Stromspeicher ist notstromfähig. Fragen Sie vor dem Kauf, ob und wenn ja, wie der angebotene Speicher Notstromversorgung durchführen kann: einphasig, dreiphasig und ob er automatisch schaltet.

5. Überschusseinspeisung

Überschussproduktion ist bei einer Photovoltaikanlage die ausreichend Strom für eine Eigenversorgung liefert unvermeidbar. Sie sollte bei einer Anlage für Eigenstromerzeugung aber so gering wie möglich sein, weil die Wirtschaftlichkeit aus der Differenz von Netzstrompreis zum Preis für selbst erzeugten Strom errechnet wird. Da Strombezugspreise seit Jahren steigen, die Einspeisevergütung aber seit Jahren sinkt, sind die Einnahmen aus der Einspeisevergütung das schlechtere Geschäft. Ein weiterer Punkt sind die EEG-Privilegien, die aktuell nach 20 Jahren auslaufen. Im September hat das Bundeswirtschaftsministerium das EEG überarbeitet und einen Entwurf vorgestellt. Die Einspeisung von Überschussstrom ins öffentliche Netz ist für Photovoltaikanlagen nach dem Entwurf mit hohe Kosten verbunden. Auch das ist ein Grund die Einspeisung so gering wie möglich zu halten.

6. Die neue Wirtschaftlichkeit

Die Bundesnetzagentur gibt für Oktober 2020 eine feste Einspeisevergütung mit Degressionsberechnung nach § 49 EEG 2017 von 11,15 Cent für Anlagen größer 10 kWp bis 40 kWp und 8,50 Cent für Anlagen bis 100 kWp an, Tendenz weiter fallend. Die Preise für Netzstrom steigen dagegen. Aktuell liegt die Differenz zwischen selbst erzeugtem Photovoltaikstrom und gekauftem Netzstrom in der Landwirtschaft pro Kilowattstunde bei ca. 14 Cent. Das ist mehr als die aktuelle Einspeisevergütung und wird sich in Zukunft durch weitere Strompreissteigerungen immer mehr zugunsten des Eigenstromverbrauches verschieben.

7. Je länger, desto besser

Bei klassischen Einspeiseanlagen wurde die Wirtschaftlichkeit auf 20 Jahre berechnet.

Heute wissen wir, dass Photovoltaikanlagen auch 30 und mehr Jahre zuverlässig Strom liefern. Je länger eine Eigenstromanlage Strom liefert, desto wirtschaftlicher ist sie. Es lohnt sich also bei Komponenten, Planung und Installation auf Qualität zu achten. Wer heute Photovoltaik installiert investiert in eine eigene Stromversorgung, die am wirtschaftlichsten ist, je länger sie möglichst problemlos und verlustfrei Energie liefert.

8. Anlagendokumentation

Bei der Übergabe einer neu installierten Photovoltaikanlage erhalten Betreiber eine Dokumentation, in der alle installierten Komponenten mit technischen Daten hinterlegt sind, alle Anschlüsse, Stringpläne, alle technischen Details. Sollten in den vielen Jahrzehnten eines Anlagenlebens Betriebsstörungen auftreten, dann liefert die Anlagendokumentation schnell Antworten auf die Fragen, „was“, „ wo“, „wie“, „warum“. Je besser die Anlagendokumentation, umso leichter und schneller werden Fehler gefunden, Betriebsstörungen beseitigt und die Eigenstromerzeugung kann wieder mit voller Kraft gefahren werden.

Photovoltaik rentiert sich wieder

Photovoltaik rentiert sich heute als Eigenstromerzeugungsanlage. Dafür passen Kosten für Komponenten und Installation. Mit intelligenten, erzeuger- und verbraucherfreundlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen könnten sogar kleine Photovoltaikanlagen bis 100 kWp Leistung als Power Purchase Agreement, sogenanntePPA-Anlagen, durch Direktverkauf von Grünstrom rentabel werden. Die Technik dazu ist bereits vorhanden. Es fehlt allein der Wille für eine politische Entscheidung, denn das würde die Interessen etablierter Versorger tangieren und wird deshalb schwer umzusetzen sein. Mehr zum Thema „Photovoltaik rentiert sich wieder – aber anders“ erfahren Sie vom 9.-12. Februar 2021 auf der EnergyDecentral, internationale Fachmesse für innovative Energieversorgung in Hannover, in Partnerschaft mit der Weltleitmesse für Tierhaltungsprofis, der EuroTier 2021.

Zusammenfassung:

  • Photovoltaikanlagen arbeiten heute am wirtschaftlichsten als Eigenstromerzeugungsanlagen.
  • Die Wirtschaftlichkeit errechnet sich aus der Differenz von eigenerzeugtem Strom und Netzstrom pro Kilowattstunde. Aktuell beträgt diese ca. 14 Cent pro Kilowattstunde bei landwirtschaftlichem Strom.
  • Mit einer Eigenstromerzeugung aus Sonnenlicht frieren Betreiber ihren Strompreis für Jahrzehnte ein. Strompreissteigerungen haben einen geringeren Einfluss auf das Betriebsergebnis.
  • Die Einspeisung in das öffentliche Netz, die sogenannte Überschusseinspeisung sollte deshalb so gering wie möglich sein.
  • Anlagenplanung und Leistung richten sich nach dem am Standort anfallenden Stromverbrauch.
  • Photovoltaik ist eine Investition in die eigene Energieinfrastruktur. Sie soll lange zuverlässig und störungsfrei Grünstrom erzeugen. Deshalb ist gute Qualität bei Komponenten, Planung und Installation gut für die Wirtschaftlichkeit.
  • Bei Lebenserwartungen von mehreren Jahrzehnten für Photovoltaikanlagen ist eine professionelle Dokumentation wichtig, um eventuell auftretende Betriebsstörungen schnell beheben zu können.