Stromspeicher in der Landwirtschaft – Faktencheck

Der Markt
Energiespeichersysteme waren vor gerade mal sechs Jahren noch echte Exoten, die vor allem von überzeugten Energiewendlern und Technik-Freaks gekauft und installiert wurden, jenseits von Wirtschaftlichkeit. Was zählte war Begeisterung für neue Technik,  die Energiewende, sowie die Lust auf Unabhängigkeit und maximalen Eigenverbrauch.

Heute ist die Situation eine andere, Stromspeicher werden in Landwirtschaftsbetrieben, im Gewerbe und im privaten Bereich installiert. Sie kappen Lastspitzen, sichern Unternehmen und private Haushalte gegen Netzausfälle ab und steigern im Schulterschluss mit anderen Erneuerbaren Energieanwendungen die Unabhängigkeit ihrer Betreiber vom öffentlichen Stromnetz und regelmäßig steigenden Strompreisen.

Für Netzbetreiber sorgen Stromspeicher durch ihre schnelle Reaktionszeit für Stabilität im Stromnetz, wenn Einspeisung oder Leistungsabfrage einmal über der Norm liegen. Wirtschaftlichkeit von Stromspeichern definiert sich heute durch Unabhängigkeit, Sicherheit und hohen Eigenverbrauch bei fixiertem Strompreis aus selbst erzeugtem Strom. Der Strompreis aus eigener Erzeugung und Speicherung wird durch die Investitionskosten geteilt durch die Jahre der Nutzung definiert. Der Kilowattstundenpreis ist im Gegensatz zu dem des Stromanbieters über den Lebenszyklus des Versorgungssystems kalkulierbar. Strom aus dem öffentlichen Netz wird in Deutschland jedes Jahr teurer.

Batterietechnologie
Am gebräuchlichsten für stationäre Stromspeicher ist heute die Lithium-Akkutechnologie. Vorteile sind hohe Energiedichte, schnelles Laden, auch von Teilkapazitäten, sowie schnelles Entladen. Nachteile sind Brandgefahr, Explosionsgefahr, es werden bei der Produktion Rohstoffe verwendet, die nur in knappen Mengen verfügbar sind, Umweltprobleme beim Lithiumabbau und schwieriges Recycling bei bestimmten Unterarten der Lithium-Akkutechnik.
An zweiter Stelle der Batterietechnik steht die Bleibatterie. Sie ist sicher im Betrieb, das Recycling von Blei-Akkus liegt bei nahezu 100 %, Rohstoffe sind reichlich vorhanden. Außerdem sind Blei-Akkus wesentlich temperaturtoleranter als ihre Lithium Kollegen und sind deshalb flexibler bei der Standortwahl. Nachteile sind eine geringere Energiedichte im Vergleich zu Lithium Akkus, eine kürzere Lebensdauer und ein höheres Gewicht, was im stationären Einsatz aber nur eine untergeordnete Rolle spielt, so lange Stromspeicher modular aufgebaut sind und in Teilen zum Standort geliefert werden.

Mit der zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung der Umweltprobleme beim Lithium-Bergbau rückt Blei wieder in den Fokus von Stromspeicherinteressenten. Im landwirtschaftlichen Bereich sind Bleibatteriespeichersysteme aufgrund ihrer hohen Sicherheit, der Temperaturtoleranz und Nachhaltigkeit willkommen.

Andere wichtige Batterietechniken am Markt sind Salzwasser-Stromspeichersysteme und Redox Flow-Speichersysteme.

Die Marktanteile unterschiedlicher Speichertechnologien verteilten sich 2019 im europäischen Markt wie folgt:

Anbieter Stromspeichertechnologien 2019

 

Speichertechnik

Anbieter 2019

Anteil in % (gerundet)

Lithium basierte Stromspeicher

148

59

Blei basierte Stromspeicher

46

18

Redox Flow Stromspeicher

11

4

Andere Stromspeichersysteme

26

10

Ultra Kondensatoren

6

2

Power to Gas Lösungen

15

6

Anforderungen an Energiespeichersysteme in Landwirtschaft und Gewerbe

  • Die Wirtschaftlichkeit eines Stromspeichers hängt direkt mit dem Autarkiegrad zusammen, den er seinem Betreiber verschafft.  Je mehr selbst erzeugter Strom mit Hilfe eines  Stromspeichers auch selbst genutzt werden kann, desto effizienter und wirtschaftlicher ist das System.
  • Stromspeicher sollten eine möglichst hohe Lade- und Entladeleistung haben um alle Lasten des Betreibers decken zu können. Das steigert den Autarkiegrad und die Wirtschaftlichkeit. Ein Speicher-Generatorsystem sollte so ausgelegt sein, dass so wenig Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen werden muss als möglich. Denn dort dreht sich die Preisspirale.
  • Kapazität und Leistung eines Stromspeichers sollten langfristig skalierbar sein, so dass sie auch noch nach Jahren an  sich ändernde Bedingungen angepasst werden können. Beispiele für in Zukunft steigenden Strombedarf sind Elektromobilität oder neue Kälte- und Wärmeerzeugung mit Wärmepumpe.
  • Energiespeicher sollten offene Schnittstellen bieten, um sie in einem Netzwerk intelligent einsetzen zu können. Stichworte dazu sind netzdienliche Leistungen, Quartierslösungen, virtuelle Kraftwerke, Elektromobilität und Sektorenkopplung
  • Stromspeicher sollten eine automatische Notstromversorgung bieten. Wenn der Strom ausfällt ist es kein gutes Gefühl, einen Stromspeicher installiert zu haben, aber trotzdem den alten Generator starten zu müssen.
  • Speichersysteme können Lastspitzen kappen und sparen so bares Geld. Sie können aber auch schwächelnde Hausanschlüsse stützen, indem sie Spitzenlasten abfangen.
  • Stromspeicher sollten eine einfache und auch schnelle Installation bieten. Das macht sich auch bei einer Erweiterung eines Systems bezahlt, weil Arbeitszeit gespart wird.
  • Ein intelligentes Energiemanagementsystem mit Akkuüberwachung auf mindestens Batterieebene. Besser ist die Überwachung von Temperatur und Leistung auf Zellebene.

Die richtige Wahl
Im Jahr 2018 hat das die  Verbraucherzentrale NRW mehrere deutsche Stromspeicherhersteller wegen irreführender Formulierungen, angeblich falscher Werbeversprechen und rechtswidriger Garantiebedingungen abgemahnt. Das bezog sich vor allem auf die Produktgruppe der „Heimspeicher“ für Einfamilienhäuser.

Für Gewerbe und Landwirtschaft empfiehlt es sich  nach Referenzen für den eigenen Anwendungsfall zu fragen. Besprechen sie Details, wie zum Beispiel, ob der Stromspeicher für den geplanten Standort geeignet ist. Ammoniak und wechselnde Temperaturen sind nicht die besten Umgebungsbedingungen für Stromspeicher. Hier muss das Produkt zum Einsatzort passen.

Bei vielen technischen Geräten gilt die Regel, dass große Anbieter viel Sicherheit, Erfahrung und Service bieten. In einem noch recht jungen Markt, wie dem der Stromspeicher, ist das schwierig. Es gibt sehr wohl kleine und mittlere Unternehmen, die exzellente Lösungen liefern, die sowohl flexibel auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden können, trotzdem universell sind und für Betriebe eine nachhaltige Speicherlösung darstellen.

Was können Sie erwarten, wenn Sie in Deutschland einen Stromspeicher installieren lassen?

  • Ein Energiespeicher muss den in Europa üblichen Spezifikationen für elektrische Geräte entsprechen.
  • Jedes Energiespeichergerät muss die Anforderungen der Netzkompatibilität der jeweiligen Länder erfüllen
  • Jeder netzgebundene Stromspeicher muss in Deutschland im Systemregister der Bundesnetzagentur gemeldet werden.

Kontakte und Informationen rund um das Thema Stromspeicher

Subventionen rund um Stromspeicherung

Nach dem Verständnis der Bundesregierungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich ist die Stromspeicherung ein wichtiges Element der Energiewende. Alle Länder in der DACH-Region bieten unterschiedliche Formen von Subventionen an. Dies ist individuell zu prüfen. Grob gibt es drei Kategorien:

  1. Bundesfinanzierung
  2. Finanzierungen der Länder
  3. Regionale Unterstützung

Diese Subventionen wirken sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit der Stromspeicherung aus und sind derzeit noch ein wichtiges Marketinginstrument. Jedoch ist nicht jeder Stromspeicher für jede Art von Subvention qualifiziert.